gira mundo!
sueno otro mundo

die arbeit „gira mundo!“ habe ich aus der werkserie my personal valentine heraus entwickelt. sie stellt komplexe überlegungen zum „mensch sein“ aus meiner sicht dar. der imperativ gira mundo fordert ein radikales umdenken.

durch die digitalen welten erleben wir eine andere realität und neue bildwelten, aber ist dies real oder führt es uns in die irre. ein beharrliches hinterfragen der eigenen und fremden realität ist nützlich und notwendig. es ist wichtiger denn je, eine enge und gesunde beziehung zu den eigenen emotionen aufzubauen, eine beziehung, die von wahren bedürfnissen bestimmt ist und sich nicht an den zur jeweiligen zeit vorherrschenden trends und moden orientiert. wir können gewohnte denkstrukturen ändern, radikal hinterfragen und neue parameter setzen. im mittelpunkt steht das „sein“ in all seiner vielfalt, würde und sensibilität, als dauerhafte konstante. das heisst nicht, dass ich gegen moden und trends bin. man kann sie jederzeit mitmachen, sollte sich jedoch bewusstsein dass es moden sind und sich nicht von ihnen beherrschen lassen.

in diesem bild verwende ich viele metaphern die in einer allegorie zusammenspielen.
eine der ältesten darstellungsformen in der bildenden kunst, welche über viele jahrhunderte hindurch die abendländische kultur geprägt hat ist die allegorie. laut duden beschreibt die allegorie die bildliche darstellung eines abstrakten begriffs.
sie ist auf ihre bedeutung hin konstruiert und erfordert vom betrachter eine gedankliche auseinandersetzung, eine assoziation zu einem bewusst verknüpften gedanken.

in der oberen hälfte des bildes wird durch das zusammenspiel mehrer bilder eine figur gebildet, die eine art zentrale energie darstellt, welche durch innere weisheit strahlt. sie erkennt alle wesen in ihrem SEIN, ihrer WÜRDE und will für ihre bedürfnisse sorge tragen.
ich nenne sie hier die weisheit.
laut duden bezeichnet weisheit eine durch lebenserfahrung und innere reife gewonnene lehre. sie bezeichnet ein tiefgehendes verständnis von zusammenhängen in der natur, dem leben und der gesellschaft, sowie die fähigkeit für probleme und herausforderungen eine schlüssige und sinnvolle lösung und handlunsweise zu finden.

in der unteren bildhälfte
befindet sich eine anordnung von arm-fragmenten. die arme sind nicht ganz, sie sind nur in fragmenten dargestellt. es fehlt ihnen die ganzheit um handeln zu können. sie brauchen einen handlungsspielraum.
im übertragenen sinne möchte ich damit, die einseitig auf kognitive fähigkeiten ausgerichteten strukturen unserer gesellschaft zum thema machen.

dieser aspekt führt zu einer einseitig ausgerichteten bevorzugung von denkarbeit.
die manuellen fähigkeiten und die damit einhergehende zufriedenheit, des menschen, am ende des tages ein schönes und funktionierendes produkt geschaffen zu haben, auf das man stolz sein kann, werden nicht wert geschätzt. diese befriedigung wird den menschen genommen und das hat verheerende auswirkungen. der mensch sehnt sich danach etwas mit den händen zu schaffen, das er in der hand halten kann. nicht aus materiellen ursachen, sondern weil es uns eine sehr tiefe verbundenheit mit den elementen der natur schenkt. eine verbundenheit, die nur durch die bearbeitung von materie geschaffen werden kann. das ist eine sehr archaische form des glücks.

ich sehe und fühle mit eigenen augen, dass ich etwas erreichen kann, dass ich dem material eine form abverlangen kann. dass ich damit einen gegenstand geschaffen habe, der sich im alltag bewährt, nützlich ist und der schön zu betrachten ist.
das handwerk ist so tief mit uns menschen verbunden, wie das mensch sein ansich. es ist quasi nicht weg zu denken und es sollte nicht durch unreife und nicht ganzheitlich durchdachte überlegungen mit einseitig kognitiver ausrichtung aus unserem täglichen leben verschwinden. die überlegungen für mögliche gesellschaftsstrukturen in bildung, schule, ausbildung und politik müssen sowohl auf kognitiven wissenserwerb als auch auf die ausbildung von manuellen fähigkeiten ausgerichtet sein.
dadurch kann mehr ausgleich und zufriedenheit in den menschen und in zwischen -menschlichen beziehungen erreicht werden.
das einbinden von manuellen fähigkeiten lässt den menschen das „sein“ ansich in seiner ganzheit erkennen, dies bedeutet ihn als kognitives, manuelles und sozial eingebundenes wesen wahr zu nehmen.
das sind die wichtigsten aussagen, die ich in dieser allegorie ansprechen möchte. es gäbe noch einige weitere überlegungen, die hier nicht platz finden um den text kurz zu halten.