essenssache

hintergrund und künstlerische arbeit

die arbeit ist aus dem bedürfnis entstanden, die derzeitigen vorgänge in der landwirtschaft und nahrungsmittelindustrie kritisch zu hinterfragen und eine künstlerische reflektion darüber zu erarbeiten.

es kommen unterschiedliche medien und techniken zum einsatz. malerei mit wachs, objet trouvés, materialien direkt aus der natur entnommen und fotoarbeiten auf unterschiedlichem untergrund werden zu installationen zusammen gefügt.

die wachsmalereien zeigen eine haptisch, abstrakte pinselführung auf ungrundierten materialien. es ist mir wichtig materialien zu verwenden, die möglichst natürlich sind und aus fairer und nachhaltiger produktion stammen.

einmal ist es naturfarbiges bauernleinen aus österreich, naturfarbiger wildseidentaft aus indien, seidenpongie, bienenwachs, holz, büttenpapier und barytprints. die materialien wurden von mir bewusst gewählt. ich habe möglichst natürliche materialien verwendet, die eine lange tradition erkennen lassen, um dadurch die ursprünglichkeit des materials, als basis und untergrund hervorzuheben. seide wird in asien seit ca. 5000 jahren hergestellt und leinenstoffe wurden bereits 4000- 5000 Jahre v. chr. in ägypten hergestellt und von dort sehr rasch auch im mittelmeerraum eingeführt.   

ich glaube, dass uns die geschwindigkeit in der veränderungen heute passieren, nicht gut tut. das alte gelangt hier zu einer neuen bedeutung. es macht klar, dass alte erprobte methoden immerhin beweisen können, dass sie in einem gewissen einklang mit der natur stehen, denn sonst hätten sie nicht hunderte – manchmal tausende jahre an herstellungsprozessen und anwendungen überdauern können. und genau hierin besteht die kernaussage meiner arbeit. ich möchte sichtbar machen, wo ansatzpunkte liegen könnten, die traditionen von herstellungsprozessen zu wahren, weil sie in einem erprobten und hohen gleichklang mit der natur und dem menschen stehen. das wort tradition kann leicht zu missverständnissen führen, deshalb möchte hier das wort continuum* einbringen.

 

continuum

* ein erprobter prozess, das continuum, steht im mittelpunkt des herstellungsprozesses.

das continuum wurde über viele jahre (jahrhunderte) beobachtet, es wurde laufend erprobt, verbessert und entwickelt, es steht in einem höchst möglichen einklang mit natur, umwelt und mensch. es bildet den kern – die basis. dieses continuum kann nun je nach bedarf mit neuen erfahrungen und techniken ergänzt werden. (mir fällt hier im moment der vergleich mit einem zug ein, ich weiß aber jetzt noch nicht, ob diese metapher allen anforderungen gerecht werden kann, und möchte mir vorbehalten es bei bedarf entsprechend zu korrigieren). ähnlich wie bei einem zug, der mit einer angenehmen geschwindigkeit fährt, können beliebig fahrgäste ein- und aussteigen. völlig frei, so wie es ihnen beliebt. und ich stelle mir nun vor, dass dieses continuum immer beliebig abgewandelt werden kann, je nachdem welche neuen entwicklungen (moden, trends) sich ergeben, man könnte es auch als feintuning bezeichnen. das contiuum selbst jedoch wird nicht verändert. es soll ein versuch sein, prozesse die sich bewährt haben nur dahingehend zu erneuern, wie sie das ökologiche gleichgewicht fördern und nicht beeinträchtigen. gleichzeitig maximal offen für neues zu sein, wo es sinn macht und dem menschen dienlich ist. zum beispiel der einsatz von neuen technologien, um eine ermüdende eintönige und beschwerliche handarbeit zu erleichtern, ressourcen zu sparen und wiederzuverwerten. dadurch kann unsere lebensqualität bequem wachsen. wir können unser denken dahingehend erweitern, und gelangen so zu einer ganzheitlichen weltsicht, die nicht nur den wert des geldes in den mittelpunkt stellt, sondern vor allem die qualität eines produkts, ressourcenschonung und nachhaltigkeit, umwelt- und gesundheitsbewusstsein, die ästhetik, soziale kompetenz, die freude am tun und am gemeinsamen tun, all diese komponenten sollten endlich dem geld als wert gleichwertig gegenüberstehen, und darüber entscheiden, wann, wo und wie güter hergestellt und vertrieben werden.

in den letzte 6 jahren habe ich an einer weitläufig angelegten arbeit mit dem titel „essenssache“ gearbeitet. In insgesamt 7 werkblöcken habe ich das thema essen, nahrungsmittelproduktion und landwirtschaft auf vielfältige weise beleuchtet.

in intensiven recherchen habe ich versucht mich diesem komplexen thema auf unterschiedliche weise anzunähern. es war mir wichtig verschiede komponenten aufzuzeigen. selbstverständlich kann ich mich nicht als experte auf den einzelnen gebieten bezeichnen, aber ich habe dennoch versucht mir einen etwas tieferen einblick in die einzelnen themenkreise zu erarbeiten und ihnen jeweils einen werkblock und ca. je ein jahr recherchearbeit gewidmet.

dabei habe ich mich mit folgenden themen beschäftigt:

der massive einsatz von pestiziden und herbiziden, welcher in der agrarindustrie zum einsatz kommt, landnahme und deren hintergründe, systematische ausgrenzung und wirtschaftsflucht, damit verbundene ökonomien und ökologien, alternative projekte die einen ausweg suchen und aufzeigen. meine recherchen betreibe ich in unterschiedlichen medien, wie dokumentarfilme und diskussionen im öffentlichen fernsehen bei denen ich mir aufzeichnungen mache und oft auch screenshots, die ich künstlerisch verarbeite, filmscreenings, kinofilme und sachbücher und interviews mit beteiligten. teile der arbeit setzen sich mit den unterschiedlichen techniken, die in der landwirtschaft eingesetzt werden, kritisch auseinander, andere teile zeigen die auswirkungen, welche diese agrar- wirtschaftspolitik auf viele staaten und deren bewohner hat, auf.

in meinen recherchen folge ich wie ein continuum dem gleichen thema, um verschiedene facetten dessen ausfindig zu machen. das ist die methode: das freilegen unterschiedlicher tatsachen und dimensionen, sichweisen und möglichkeiten um eine umfassendere sicht auf das ganze zu bekommen. denn eine sache erschließt sich nie eindimensional. ich möchte verschiedene aspekte aufzeigen ohne jeglichen anspruch auf perfektion, denn sachverhalte ändern sich ständig und die dinge sind in wechselhafte beziehungen eingebunden. es gibt so vieles zu entdecken und erforschen. das interesse verfolgt einen offenen geist und offene veränderliche sichtweisen.

ich möchte in möglichst viele verschiedene richtungen denken und informationen sammeln, mit menschen aus verschiedenen sozialen, kulturellen und beruflichen hintergründen sprechen. dies ist mein vorrangiges anliegen, um nicht nur in der kognitiven ebene zu bleiben sondern auch das herz und die hände mit einzubeziehen.

es kommen unterschiedliche medien und techniken zum einsatz. malerei mit wachs, objet trouvés, materialien direkt aus der natur entnommen und fotoarbeiten auf unterschiedlichem untergrund werden zu installationen zusammen gefügt.

 

die werkblöcke

wax
monopoly cards
land
mud pie
there is a wall of poverty
fieldworx
rest in a wheat field